Fortgeschritten Feedern

Feedern

Worum geht's: Feedern auf Brassen, Karpfen und Schleie an Berliner Seen, Brandenburger Stillgewässern und Kanälen — Korbwahl, Futter, Wurftechnik und ehrliche Tipps.
Niveau
Fortgeschritten
Methode
Feedern
Zielfische
Brassen, Karpfen, Schleie
Ausrüstung

Was du brauchst.

Rute
Feederrute 3,60–4,20 m, 60–120 g Wurfgewicht
Mit Wechselspitzen (Quivertip): weicher Tip für ruhiges Wasser, härter für Strömung/Wind. Eine Rute deckt mit drei Tips die meisten BB-Situationen ab.
Rolle
Stationärrolle Größe 4000 mit Freilauf-Funktion
Freilauf-Funktion ist praktisch für nicht-betreute Sitzungen auf Karpfen oder Schleie.
Hauptschnur
Geflecht 0,10–0,14 mm mit 8–10 m Mono-Schlagschnur (0,25–0,30 mm)
Geflecht für direkte Bissübertragung, Mono-Schlagschnur federt den Wurfimpuls ab und schützt vor Abrissen am Korb.
Vorfach
0,14–0,20 mm Fluorocarbon, 25–40 cm
Auf Karpfen 0,22 mm, auf scheue Brassen 0,14 mm. Kürzeres Vorfach (20–25 cm) für Method-Feeder, längeres (50–80 cm) für Distance-Feeder.
Futterkorb
Method-Feeder 20–60 g ODER Distance-Feeder 30–100 g
Method-Feeder hält den Köder direkt im Futter — ideal für Karpfen und Brassen. Distance-Feeder wirft weiter, das Futter rieselt langsamer aus.
Haken
Größe 8–12 für Brassen/Schleie, Größe 6–8 für Karpfen mit Boilie/Pellet
Mit Haar-Montage werden Boilies und Pellets selektiv präsentiert. Bei klassischem Madenfeedern reicht ein Standardhaken mit umgelegten Köder.
Futter
1–2 kg pro Sitzung, Mix nach Wasser und Zielfisch
Süßes Grundfutter (Sweet Method) für Karpfen, herzhaftes (Brot-/Fischmehl) für Brassen, gerne mit gehackten Maden und etwas Mais. Klebrige Konsistenz für Method-Feeder, krümeliger für Distance.
Die Methode

So funktioniert es.

Feedern ist Grundangeln auf der nächsten Stufe. Du kontrollierst sehr präzise wo das Futter landet, wie viel davon, und wie lange es am Platz bleibt. Wer Feedern beherrscht, fängt an Tagen Brassen, an denen andere mit klassischer Grundmontage nicht durchkommen. Der Preis dafür: mehr Technik, mehr Material, mehr Lernkurve.

Wer noch nie geangelt hat, sollte mit Grundangeln oder Posenfischen starten. Wer dort einige Sessions hinter sich hat und wissen will, wie man konsistent große Brassen oder Karpfen fängt, ist hier richtig.

Wie funktioniert Feedern?

Der Futterkorb (Feeder) ist gleichzeitig Blei und Futterspender. Du füllst ihn mit klebrigem Grundfutter, manchmal mit eingearbeiteten Maden, Pellets oder Caster — und wirfst ihn präzise an deinen Spot. Das Futter zerfällt am Grund, der Köder hängt am Vorfach direkt daneben oder steckt beim Method-Feeder mittendrin.

Zwei Grundvarianten — beide haben ihre Berechtigung an BB-Gewässern:

Method-Feeder — der Korb ist asymmetrisch geformt, das Futter wird außen aufgepresst, der Vorfachhaken steckt mit Köder direkt im Futterklumpen. Beim Aufprall bleibt das Futter zusammen mit dem Köder am Grund. Selektiver auf Karpfen, Brassen und große Schleie.

Distance-Feeder (auch „Open-End-Feeder”) — klassische Käfig-Form, Futter rieselt langsam raus, Vorfach mit Köder hängt ein Stück entfernt. Weiter werfbar (50–80 m gut machbar), liefert mehr Futter über mehr Zeit. Für Brassen-Schwärme an größeren BB-Seen wie Scharmützelsee oder Schwielochsee die produktivere Variante.

Eine typische Method-Feeder-Montage:

  1. Hauptschnur (Geflecht 0,12 mm) durch die Rutenringe, danach 8 m Mono-Schlagschnur (0,30 mm)
  2. Wirbel mit Method-Feeder (30 g) auf Inline-Aufnahme
  3. Vorfach 20 cm, 0,18 mm, mit Haar-Montage und Haken Gr. 10
  4. Köder (Mais, Boilie, Pellet) am Haar
  5. Korb mit feuchtem Method-Mix umpressen, Köder direkt am Futter

Wurfweite: nicht möglichst weit, sondern exakt dieselbe Stelle bei jedem Wurf. Markierung an der Schnur (mit Pole-Elastic-Marker oder Filzstift) sorgt dafür, dass jeder Korb auf 30 cm Genauigkeit landet — das ist der eigentliche Punkt beim Feedern.

Für welche Fische — und wann

In Berlin und Brandenburg sind die Klassiker:

  • Brassen sind die Feeder-Zielart. Schwärme über sandig-schlammigem Grund, beißen tagsüber, lassen sich durch konsequentes Anfüttern halten. Maden, Wurm-Häppchen, Caster. Kein Mindestmaß.
  • Karpfen mit Method-Feeder und Mais oder kleinen Pellets — sehr effektiv vor allem an Tagesfischen. Mindestmaß 35 cm. Method-Feeder ist hier oft erfolgreicher als klassisches Karpfen-Festblei, weil das konzentrierte Futter den Karpfen am Köder hält.
  • Schleie ist mit Distance-Feeder an Krautkanten möglich, früh morgens. Mindestmaß 25 cm. Schleie sind scheu — leise sein, schnell halten beim Werfen, lange Pausen zwischen den Würfen.
  • Plötze und Güster als feiner Feeder-Fisch: Korb 15–25 g, feines Vorfach, Caster oder Made. Große Plötze (über 25 cm) kommen so überraschend regelmäßig.
  • Aland in Spree und Havel mit süßem Futter und Mais. Mindestmaß 30 cm.
  • Döbel an der Spree in Brandenburg, Buhnenfelder — schwerer Korb (60–80 g) gegen die Strömung, Käse oder Madenklumpen.

Schonzeiten zum Feedern relevant: alle hier genannten Friedfische sind ganzjährig erlaubt, Schonzeiten-Kalender. Wels-Beifang im Sommer beim Karpfen-Feedern ist normal — in Brandenburg gibt es kein landesweites Mindestmaß für den Wels, hier zählt die Gewässerordnung des Bewirtschafters; kleinere Fische zurücksetzen.

Wo in Berlin & Brandenburg

Feedern lebt von der richtigen Spot-Wahl. Du brauchst eine Stelle, die der Schwarm regelmäßig passiert — und du musst sie konstant anfüttern können. Daher: größere Seen mit definierten Tiefenkanten, oder Kanäle mit kalkulierbarer Tiefe.

Brandenburg — Top-Spots:

  • Der Scharmützelsee ist mit 12,1 km² einer der besten BB-Brassen-Seen. Wurfweiten von 40–60 m sind hier üblich, weil die Tiefenkanten so weit weg sind. Distance-Feeder mit Mono-Schlagschnur, am besten Nordufer-Buchten.
  • Der Schwielochsee ist windausgesetzt, aber sehr brassenreich. Ostufer bei Westwind — dort sammelt sich das natürliche Futter und mit ihm die Brassen.
  • Der Senftenberger See (Bergbau-Folgesee) hat klares Wasser und harten Grund — Method-Feeder funktioniert hier besser als am schlammigen Müggelsee, weil der Korb nicht in der Muschel-/Schlammschicht versinkt.
  • Der Beetzsee mit seinen flachen Plateaus ist für Schleien-Sessions ideal. Distance-Feeder mit feinem Futter, knapp an den Krautrand werfen.

Berlin:

  • Der Müggelsee — wie bei Grundangeln — funktioniert auch fürs Feedern. Method-Feeder eher als Distance, weil der Schlammgrund das Korb-Funktionieren beeinflusst.
  • Der Tegeler See — die tieferen Plätze um 8–10 m sind klassische Brassen-Reviere.

Kanäle (oft unterschätzt fürs Feedern):

  • Der Teltowkanal hat an den Spundwänden ruhige Stellen. Method-Feeder zwischen den Pfeilern, Brassen und gelegentlich Karausche.
  • Der Oder-Spree-Kanal auf langen Geraden, Brassen-Schwärme ziehen mit dem leichten Strom.

An Flüssen (Strömung beachten):

  • Die Spree in Brandenburg unterhalb von Beeskow — Buhnenfelder mit 60–80 g Korb gegen die Strömung. Mehr Wurfpräzision nötig als am See, dafür Döbel und große Brassen.

Ausrüstung

Wie bei den anderen Methoden auch: was wirklich gebraucht wird, steht im Frontmatter dieses Guides. Wer in BB einsteigt, holt sich am besten beim lokalen Angelladen eine Feederrute, eine Rolle, ein Korbsortiment (3–4 Größen), Schnur und Futter — kostet komplett zwischen 150 und 250 € und reicht für die ersten Jahre.

Was sich beim Futter wirklich lohnt: einen guten Grundmix aus Paniermehl, Brotmehl, etwas Fischmehl-Anteil für herzhaft, und Süßstoff (Vanille- oder Honig-Aroma) für Karpfen-Sessions. Selbst gemischt ist es etwa halb so teuer wie Spezial-Säcke, und du lernst, das Verhalten am Wasser zu lesen. Dazu Caster (gebackene Maden), lebende Maden für den Korb, ein Glas Mais. Mehr Variation braucht es selten.

Praxis-Tipps aus der Region

Wurfweite fixieren. Schnur-Markierung mit Pol-Elastic oder Filzstift — und beim Anfüttern immer an genau diese Stelle werfen. Wer alle 5 m streut, fischt acht Stunden ohne Brassen-Kontakt.

Korbgewicht zum Boden, nicht zur Wurfweite. Ein 30-g-Korb auf weichem Schlammgrund versinkt — der Köder hängt zu hoch, der Schwarm zieht vorbei. Bei Weichgrund am Müggelsee oder Tegeler See lieber 50–60 g, damit der Korb sauber liegt.

Anfüttern: Start-Salve, dann gleichmäßig. Zum Sessionsbeginn 5–8 Würfe in schneller Folge (auf den exakten Spot), um Futter aufzubauen. Danach alle 3–5 Minuten ein Wurf, auch wenn keine Bisse kommen — der Schwarm muss bleiben, nicht überall hingeleitet werden.

Quivertip lesen. Brassen-Biss ist meist ein langsames Ziehen, das die Spitze nach unten zieht und dort bleibt. Karpfen-Biss ist abrupt mit anschließender Flucht. Plötzen-Biss ist ein scharfes, schnelles Zucken. Du lernst das in den ersten 10 Sessions.

Wind & Spitzen-Wahl. Bei Wind die härtere Spitze (3–4 oz) — die weicheren zucken sonst zu viel und du erkennst echte Bisse nicht mehr. Bei spiegelglattem Wasser die weichste Spitze (1 oz), denn dort ist auch der vorsichtigste Biss erkennbar.

Tageszeit: Morgens 1–2 h nach Sonnenaufgang und abends 1–2 h vor Sonnenuntergang sind goldene Stunden. Nachts auf Karpfen ja, aber dann wäre statt Method-Feeder oft klassisches Karpfen-Setup sinnvoller.

Sommer-Hitze: Wenn die Wassertemperatur über 22 °C steigt (an flachen BB-Seen ab Juli realistisch), beißen die Fische tagsüber kaum. Dann frühe Morgensitzungen (4–9 Uhr) oder nach 21 Uhr.

Häufige Fragen

Method-Feeder oder Distance-Feeder — was kaufe ich zuerst? Wenn du primär auf Karpfen und große Brassen aus bist: Method-Feeder. Wenn du Brassen-Schwärme an größeren Seen (Scharmützelsee) suchst: Distance-Feeder. Für den Anfang reicht oft beides in 2–3 Gewichten.

Brauche ich eine zweite Rute? Nicht zwingend. Beim Feedern ist die Konzentration auf eine Stelle wichtiger als die Verdopplung der Köder. Wer zwei Ruten gleichzeitig führt, fischt oft schlechter, nicht besser — weil das Anfüttern unsauberer wird.

Was, wenn ich nichts fange? Drei Stellschrauben in Reihenfolge: (1) Tiefe falsch (Korb sinkt in Schlamm/Kraut), (2) Wurfpräzision zu schlecht (Futter zu verstreut), (3) Spot leer (Schwarm woanders). Vor Köder/Futter zu wechseln, sollten diese drei geprüft sein.

Lohnt sich der Boilie? Auf Karpfen ja, in 14–18 mm Größe. Für Brassen ist Mais oder Wurm meist effektiver. Pellets als Universal-Köder: ja, gehen auf Brassen wie Karpfen.

Wie viel Futter pro Sitzung? 1–2 kg trocken sind für eine 5-Stunden-Sitzung auf Brassen typisch. Auf Karpfen mit Method-Feeder reicht oft weniger (500–800 g), weil das Futter direkt am Köder zerfällt und nicht weit gestreut wird.


Letzte Aktualisierung: 04. Juni 2026. Alle Angaben ohne Gewähr — verbindlich sind die Brandenburger Fischereiordnung und die Berliner LFischO.

Stand: 04. Juni 2026. Diese Methoden-Seite wird laufend ergänzt — neue Reviere, Köder-Tipps und Saisonhinweise kommen dazu.
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